Pressetermin der Eintracht Leichathletik Senioren mit dem Wiesbadener Kurier/Tagblatt (31.7.2019)

Die mit dem Rolf tanzen

Erschienen am 09.08.2019 um 00:00 Uhr, Wiesbadener Kurier

Das Stadion an der Berliner Straße ist ein Epizentrum der Wiesbadener Leichtathletik-Oldies.

Von Manfred Schelbert

Die Unverwüstlichen (v. l.): Karl-Heinz Hofer, Rolf Nucklies, Trainingsgast Harry Simon, Petra Koliwer, Elmar Koch, Thomas Höner, Erika Höner, Rolf Bertram, Manfred Nink, Ulf Restle und Thorsten Bühl. Foto: Restle
Die Unverwüstlichen (v. l.): Karl-Heinz Hofer, Rolf Nucklies, Trainingsgast Harry Simon, Petra Koliwer, Elmar Koch, Thomas Höner, Erika Höner, Rolf Bertram, Manfred Nink, Ulf Restle und Thorsten Bühl. Foto: Restle

WIESBADEN – Dies ist die Geschichte über eine agile Senioren-Gang. Immer mittwochs treffen sich ein Dutzend Oldies im Stadion an der Berliner Straße zum Training. Was sie verbindet? Allesamt sind sie Mitglieder der Leichtathletik-Abteilung von Eintracht Wiesbaden und Getriebene, die einfach immer weitermachen. Und bei Titelkämpfen, wie unlängst bei den Deutschen Meisterschaften im thüringischen Leinefelde, Titel hamstern wie andere Briefmarken. Ulf Restle ist der Anführer der „Gang“: Ulf Restle ist so etwas wie der Anführer dieser Gang im Alter zwischen 47 und 84 Jahren. Sein Faible ist der Sprint, seine Bestzeit über 100 Meter liegt bei 11,4 Sekunden. Als seine große Stärke bezeichnet der 75-Jährige den mentalen Bereich. „Als Sprinter musst du deine Nerven im Griff haben“, philosophiert er. Und Restle hat sie im Griff. Phänomen Rolf Bertram: Ein paar Meter weiter bereitet sich Rolf Bertram auf sein Training vor. Der Mann scheint immer zu lächeln. 84 Jahre alt soll der Mann sein. Nie im Leben. Früher spielte er Fußball beim SV Wiesbaden und SSV Reutlingen. Inzwischen hat er auf den Hürdensprint umgesattelt. Insgesamt zehnmal war er Einzel-Europameister. Seine Maxime: „Ich trainiere immer auf dem Rasen.“ Da fällt ein Sturz über eine Hürde nicht so drastisch aus. Zu seinem täglichen Programm gehört auch eine halbstündige Morgengymnastik. Die mit dem Rolf tanzen könnte in Anlehnung an den Edelwestern mit Kevin Kostner ein Slogan der Eintracht-Senioren sein. Hochstapler Rolf Nucklies: Denn neben Rolf Bertram gibt es noch Rolf Nucklies. 65 Jahre alt, Stabhochspringer, der einst bei der Bundeswehr-Musterung wegen Auffälligkeiten im Rücken durchfiel. Der sich selbst scherzhaft als „Hochstapler“ bezeichnet. Und dessen Medaillensammlung ein ganzes Museum ausstatten könnte. Was reizt ihn am Stabhochsprung? „Das Spiel mit den Gesetzen der Physik“, philosophiert er und verrät, dass er auch einmal Fallschirm gesprungen ist. „Doch das war nicht so cool wie der Stabhochsprung.“ Erika und Thomas Höner verraten Erfolgsgeheimnis: Erika und Thomas Höhner verraten derweil, weshalb dieses gemeinsame Training der Oldies so eine Erfolgsgeschichte ist. „Wir nutzen unser vorhandenes Knowhow untereinander“, erläutert Erika Höhner. Fast alle seien ausgebildete Sportlehrer und kennen sich schon seit Jahrzehnten. Erika Höhner ist Mehrkämpferin, läuft aber auch lange Strecken. Ihre Bestzeit im Marathon: 3:45 Stunden. Mit 59 Jahren wohlgemerkt. Ehemann Thomas, 65, ist Zehnkämpfer. „Die 1500 Meter am Schluss sind nicht vergnügungssteuerpflichtig“, gibt er lachend zum Besten. Petra Koliwer will den Weltrekord zurück: Petra Koliwer ist mit 50 sozusagen ein Küken in der Gruppe. Sie ist amtierende Hallenweltmeisterin im Hochsprung, stellte dort mit 1,58 Metern den Weltrekord ein, um ihn schnell wieder an Konkurrentin Petra Bajet abzugeben, die 1,60 Meter überwand. „Doch den Weltrekord hole ich mir wieder“, versprach sie. Karl-Heinz Hofer kickt noch: Thorsten Bühl ist mit 47 noch jünger. In Thüringen wurde er deutscher Vizemeister über 100 Meter und Dritter über 200 Meter. „Ohne Sport ist mir langweilig“, bringt er seine Motivation auf den Punkt. Der 73-jährige Karl-Heinz Hofer sitzt neben seinem Faible für den Sprint noch beim Fußball-B-Ligisten SC Gräselberg, dem er eng verbunden ist, auf der Auswechselbank. Kein Scherz. Genauso wenig wie die Tatsache, dass der Helmut-Schön-Sportpark an diesem Tag zum Epizentrum für die Leichtathletik-Oldies wird.

Leider konnten nicht alle der erfolgreichen Eintracht Leichtathletik Senioren an diesem Pressetermin teilnehmen.