Skygymnastik: Zehn Jahre Gold

Nichts für Sitzkartoffeln: Die Skygymnastik

Eine Hommage von Gert Oestreich

Es begann mit einer kleinen Annonce im Wiesbadener Kurier, beziehungsweise, es fand damit seine Fortsetzung, zumindest für mich, den ersten Teilnehmer. Bekanntschaft mit der Skigymnastik hatte ich vormals beim Mainzer Unisport gemacht, schon etwas länger her. Meine Ski-Aktivitäten ruhten tief und feste, aber es hatte Charme, nicht nur auf der Stelle zu treten bei den Übungen, sondern sich auch austoben zu können, ein Gutteil der Übungsstunde durch die große Halle zu laufen, zu hüpfen, zu springen und dabei das tägliche Marathonsitzen im Schreibtischstuhl zu vergessen, obendrein bei belebender Musik.

Kein Training wurde ausgelassen. Bis etwas dazwischen kam: Das Ende der Unizeit und der Beginn des Erwerbsarbeitslebens im heimatlosen Außendienst. Außerhalb von Mainz schien es solche Kurse nicht zu geben … Zurück zu der Annonce: „Skigymnastik“.  Zwei Kurse wurden von der Eintracht angeboten, Donnerstag um 18:45 Uhr für Einsteiger und um 20:00 Uhr für Ambitionierte. Ich meldete mich an und kam zum späteren. Als Einziger! Immerhin, zum früheren war gar niemand erschienen. So ging es auch die folgenden beiden Wochen, und ich genoss das Privileg eines Personal Coachings ;). Dann verdoppelte sich die Teilnehmerzahl und schließlich waren wir zu viert, inklusive Trainerin, Erika (Höner). Wir beschlossen, aus dem Früh- und dem Spättermin einen zu machen, in dem sich Einsteiger und Ambitionierte gleichermaßen wohl fühlen.

Ein neues Jahr brach an, und wir wuchsen im Handumdrehen auch zahlenmäßig zu einer respektablen Gruppe. Zeitweilig waren wir fast zu viele für die Berghofhalle in der Hellmundstraße, wo unser Training stattfindet.

Training, das seinesgleichen sucht

Von früher kannte ich es, dass 100 Leute und mehr die Halle füllten. Jede Stunde dasselbe Programm. Dies hatte auch sein Gutes, denn die meisten konnten den Trainer nicht sehen. Bei der Eintracht ist es entspannter. Wir haben die Darbietungen der Trainerin genau im Blick und erleben seit zehn Jahren ein Programm, dessen Abwechslungsreichtum seinesgleichen sucht.

Die Anzahl der Übungsstrukturen ist endlich, gewiss, aber immer wieder kommen sie neu und originell verpackt daher. Übrigens schon lange nicht mehr als Skigymnastik,  Fitness-Mix lautet unser Credo. Zugunsten eines ausgewogenen Ganzkörper-Kräftigungstrainings verabschiedeten wir uns bald von der  beinlastigen Ausprägung. Auch schien es uns –  überwiegend Flachlandtirolern – entbehrlich, das ganze Jahr hindurch für eine Woche Skiurlaub zu üben. Erhalten blieb das Après-Ski-Training vor den Sommerferien, zur Weinwoche, zum Weihnachtsmarkt  und auch zwischendurch, wenn die Situation es erfordert (runde Geburtstage, sportliche Ausflüge, Wegzug langjähriger Teilnehmer/innen).

Immer wieder donnerstags


Das eigentliche Training findet donnerstags von 19:30 Uhr bis 21:00 Uhr statt. Es erscheinen in der Regel zwischen 10 und 20 Teilnehmern. Insgesamt zählen wir etwa 30. Zum „Vor-Aufwärmen“ wird das ein oder andere Schwätzchen gehalten, dann startet das Aufwärmtraining. Wir drehen dabei variantenreich unsere Runden durch die Halle, mit und ohne Ball, oft in Form von Spielen. Im zweiten Teil folgt ein ebenso umfassendes wie ausgewogenes Kräftigungstraining, im Stand und auf der Matte, mit Bällen von Tennis bis Petzi, mit Thera-Bändern oder Hanteln, mit dem Balance-Pad etc. Auch Zirkeltraining hat seinen Platz im Programm. „Bauch, Beine, Po“ und noch viel mehr, eigentlich alles, auch und gerade für die Stützmuskulatur. Stets von Neuem verblüffend, wie viele Muskeln man in seinem bisherigen Leben noch nicht kennengelernt hat.  Zum Abschluss gibt es Entspannungsübungen. Das gesamte Training wird von passender Musik begleitet.

Wenn die Chefin hier und da einmal verhindert ist? – Dann findet sich jemand aus dem Teilnehmerkreis und springt für sie ein. Seit geraumer Zeit macht das Ulli (Hesse). Sie ist schon seit Urzeiten dabei und hat wohl gut aufgepasst, denn ihr Programm liegt dicht am Original.   

Unsere Gruppe ist kunterbunt gemischt und sehr harmonisch. Kein Charakter gleicht dem anderen. Die Chemie stimmt. Neue Teilnehmer etablieren sich im Handumdrehen, Scheidenden wird oft nachgetrauert. Allen gemeinsam ist der Sportsgeist. Das Altersspektrum erstreckt sich über drei Generationen. Wer jetzt schmunzelnd an Stuhlgymnastik denkt – vergiss es! Das Programm ist sportlich, es geht zur Sache, nichts für Couch-Potatoes. Niemand wird auf Leistung getrimmt, jede/r macht so mit wie sie/er kann. Aber wer dran bleibt, weiß nach einer Stunde, was „ambach“ ist. Als Hausaufgabe empfiehlt sich Jogging und/oder Wiederholung der Übungen auf der häuslichen Isomatte.

Ich möchte den Kreis schließen bei der kleinen Annonce: Seit ihrem Erscheinen sind nunmehr knapp zehn Jahre vergangen. Am 13. November feiern wir Jubiläum. Frisch wie damals. Der Fitness-Mix ist Gold wert.